"Fotografen sind viel zu teuer" ...
- PHOTOgraphy by JGnauck
- 11. März 2024
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Nov. 2024

Das hören wir leider viiieeel zu oft!
Fotografen sind bei vielen Veranstaltungen, egal ob privat oder geschäftlich, meistens ein großer Posten im Kostenverteilungsplan. Schnell kommen mehrere 100er oder sogar 1000er zusammen. Aber warum ist das so? Warum ist ein Abiball oder eine Hochzeit nicht mit 50 € gemacht?
In diesem Beitrag möchten wir darauf eingehen und erklären, warum die Preise für Fotografen nicht umsonst sind.
Zunächst einmal gilt es festzustellen, dass jeder Fotograf und auch jede Fotografin Teil eines Unternehmens oder selbstständig ist. Fotografie bedeutet Profession - eine Berufung. Es handelt sich um einen kreativen Job, bei dem es gilt, besondere Momente für die Ewigkeit festzuhalten. Besondere Momente können auf Hochzeiten, bei Abibällen, Firmungen, Geburtstagen oder vielleicht auch bei einem Schuleintritt entstehen. Wie schön ist es doch, wenn der Hochzeitskuss auch nach 25 oder 50 Jahren noch in Erinnerung ist und die Kinder oder vielleicht auch Enkel oder Urenkel diese Fotos anschauen können.
"Fotografen schreiben Geschichten in Bildern" (Julius Gnauck)
Schon vor langer Zeit, als Fotos noch mit Chemie vom Film entwickelt worden sind, brauchte es verschiedene technische Schritte von der Situation bis zum Papier. Standbild, Film einlegen, spannen, scharfstellen, Belichtung einstellen, abdrücken...nachher Film entnehmen, entwickeln, trocknen lassen und hoffen, dass es gelungen ist. Fotografie - ein Handwerk, welches nostalgischer nicht sein könnte. Heute arbeiten wir mit digitalen Kameras. Kein Film, sondern ein Sensor. Die Blitze qualmen nicht mehr nach dem Auslösen. Trotzdem ist und bleibt es ein Handwerk. Die Fotos gehen auch einen gewissen Weg, ehe sie zu den Kunden kommen. Das digitale Zeitalter ist auch in der Fotografie angekommen. Bis vor circa fünf oder vielleicht auch zehn Jahren hatten viele Familien eine Digicam, mit der sämtliche Ausflüge oder Feierlichkeiten festgehalten wurden. Heute nutzt man schnell das Handy und teilt das Foto direkt in der WhatsApp-Gruppe. Ein schnelllebiges Business. Bei besonderen Anlässen möchte man dann aber doch einen Fotografen oder eine Fotografin haben, die sich mit dem Blick fürs Detail befasst. An dieser Stelle gehen wir nun direkt ans Eingemachte...Man googelt im Internet nach "Fotografen in meinem Umfeld" und wird meistens schnell fündig. Danach holt man sich verschiedene Angebote ein und beginnt relativ schnell zu staunen. 1000 €, 1500€, 2000€...Das sind Preise, die viele Mitmenschen gerade so oder vielleicht auch nicht einmal im Monat verdienen. Schnell kommen Gedanken wie..."Die müssen nur eine Hochzeit fotografieren und haben das verdient, wofür ich den ganzen Monat arbeiten muss. Ne, das bezahle ich nicht! Da fotografiere ich lieber mit dem Handy".
STOPP!!!
Nun kommt der Knackpunkt. Warum sind Fotografen eigentlich auf den ersten Blick so teuer? Der Mensch ist in diesem Zusammenhang oft etwas voreilig und denkt nicht bis zum Schluss. Das Wort "Fotografie" bedeutet für viele "Knipsen". Das Verständnis lässt einen glauben, der Fotograf drückt einen Knopf und fertig. So ist es nicht. Bis eine Hochzeit komplett fotografisch festgehalten werden kann, gehört einiges mehr dazu! Ganz davon abgesehen, dass man auch einen Blick für Bildkonstruktion und Komposition haben sollte. Man hält nicht einfach nur drauf.
Ein simples Beispiel: Man geht in ein Geschäft und kauft sich einen Topf für 30 €. Man denkt sich: "Naja, ein Topf.", macht sich aber überhaupt keine Gedanken, wo der Topf herkommt. Trotzdem bezahlt man den Topf an der Kasse und geht heim, kocht sich vielleicht eine Tomatensuppe. Man scheint Tomaten auf den Augen zu haben...Irgendwie muss der Topf in den Laden gekommen sein. Der LKW muss von jemandem gefahren worden sein. Nun muss der Topf auch in den LKW. Ein Hoch auf die Logistik. Hat die Gabelstaplerfahrerin den Topf gebaut? Hmmm, vermutlich eher jemand aus der Metallbranche. Hat die Person den Topf auch geplant und das Volumen berechnet? Das Ingenieurswesen hat ganze Arbeit geleistet. Ist der Topf nun aber fertig gebaut und geliefert, muss ein Preis festgelegt werden. Der Preis muss der Kundschaft gegenüber fair sein, sollte aber auch den Beteiligten von Planung bis Kauf gegenüber gerecht sein. Denkt man nun an sich selbst, geht die Ärztin oder der Krankenpfleger auch auf Arbeit, mit dem Ziel, Geld zu verdienen, um selbst leben zu können. Alles ist ein Geben und Nehmen!
Nun aber zurück zur Frage, warum die Buchung eines Fotografen aber nicht ganz günstig ist. Wie bereits oben beschrieben, müssen auch wir wirtschaftlich denken. Auch wir möchten und müssen Geld verdienen, auf faire Art und Weise. Leider hören wir aber sehr oft, dass wir zu teuer sind und schließlich nur Fotos machen. An dieser Stelle möchten wir von PHOTOgraphy by JGnauck, auch im Namen aller Kollegen, einmal verdeutlichen, dass wir unsere Arbeit als Dienstleister und Handwerker in diesem Zusammenhang als nicht wertgeschätzt sehen. Warum müssen wir uns überhaupt rechtfertigen, dass wir Rechnungen schreiben und keine Hochzeit für 50 € fotografieren?
An dieser Stelle möchten wir eine verkürzte Auflistung zeigen, was wir bei der Preiskalkulation beachten müssen. Als Unternehmer und Selbstständige haben wir selbstverständlich, wie jedes andere Unternehmen auch, laufende Kosten. An dieser Stelle kommen schnell hohe Beträge zusammen, die bei der Preisbildung berücksichtigt werden müssen.
Laufende Kosten zur Aufrechterhaltung
Pflichtmitgliedschaften (Handwerkskammer, DMFV, etc.)
Mobilfunktarife (Fotouploads von jedem Ort)
Server- und Websitekosten (Verwaltung und Speicherung zehntausender Fotos)
Abonnementkosten für Bearbeitungs- und Sicherheitssoftware (Photoshop, Corel, Acrobat Enterprise, sevDesk, etc.)
Versicherungen (Unternehmenshaftpflicht, Rechtschutz, Zusatzversicherungen für Vermietungsservice)
Stromkosten (Akkus laden, leistungsstarke Computertechnik, Studioblitze, etc.)
Internetkosten (Glasfaser für schnelle Final-Uploads)
Neben den laufenden Kosten haben wir als "Handwerker" auch Werkzeuge. Beim Tischler Stemmeisen, Säge und Schleifpapier, bei uns Kameras, Objektive, Blitze, Computer und Drucker. Darüber hinaus bei jedem anderen Unternehmen, wie auch uns, noch viel viel mehr. Ohne den folgenden Geräten können wir als Fotografen nicht arbeiten - "must have". Nicht zu vergessen, dass manche Dinge nach einer gewissen Zeit kaputt gehen. Auch damit müssen wir rechnen.
Technikkosten - des Handwerkers Werkzeug
professionelle Kameras (ab circa 2500 - 7000 € je Stück)
professionelle Objektive (ab circa 1200 - 4000 € je Stück)
professionelle Systemblitze (ab circa 300 - 650 € je Stück)
professionelle Studioblitze (ab circa 500 - 2000 € je Stück)
sonstige Studiotechnik (ab circa 500 - 3000 € je Set)
Speichermedien (ab circa 50 - 300 € je Stück)
leistungsstarker Bearbeitungscomputer (ab circa 3500 - 6000 € je Stück)
kalibrierte Bearbeitungsmonitore (ab circa 800 - 2500 € je Stück)
Fotodrucker (ab circa 1000 - bis 3000 € je Stück)
Videotechnik (Kontrollmonitore, Kamerakran, Gimbals, Stative, Beleuchtung, etc. gesamt durchschnittlich 13000 €)
Technikneuanschaffung - oder Ersatz und Instandhaltung (1000 € jährlich im Durchschnitt)
Fotobox (ab circa 3000 - 6000 € je Stück)
Nun sind wir an der eigentlichen Arbeit angelangt, Aufwand und Zeit. Bei Fotografen ist es leider der Fall, dass man unsere Arbeit nur zu einem Bruchteil sieht. Um es zu vereinfachen, sei ein simples Beispiel gegeben.
Arbeitsaufwand und Personalkosten anhand des Beispiels "Hochzeit"
Wir fotografieren eine Hochzeit von A bis Z, begleiten die Trauung, machen Familienfotos und begleiten das Brautpaar bis zum Anschneiden der Hochzeitstorte zu später Stunde. Bis dahin gab es schon ein tolles Kulturprogramm und die Gäste haben ein ausgiebiges Buffet genossen. All das halten wir gerne fotografisch fest. Schnell kommen acht, neun oder sogar zwölf Stunden zusammen.
Sichtbar für unsere Kunden
1 Stunde Trauung
2 Stunden Familienfotos und Portraits
1 Stunde Brautpaarshooting
5 Stunden fotografische Begleitung (Momentaufnahmen: Deko, Location, Party, Programm, Spiele, etc.)
final über 9 Stunden NUR Fotografie
Nun könnte man meinen, die Fotografen seien damit fertig. Falsch gedacht. Erinnern wir uns nun zurück an den Topf. Dieser musste noch geplant werden. Auch geschweißt, ja auch noch verpackt und verschickt muss er werden. So ist es auch bei euren Fotos.
Vor einer Hochzeit laden wir Akkus, damit auch unsere Werkzeuge genügend Ausdauer haben. Nebenbei beantworten wir Anfragen per Email, schreiben Angebote (die vielleicht nicht angenommen werden - vertane Zeit), setzen Dienstleistungsverträge auf, treffen uns mit unseren Kunden in Präsenz oder online (auch Zoom möchte Geld von uns). Darüber hinaus muss die Technik gereinigt werden, kommt beispielsweise beim Objektivwechsel Staub auf den Sensor. Der Terminkalender muss verwaltet werden...und und und. Wenn es nun soweit ist und die Feier ansteht, setzen wir uns ins Auto und tanken Sprit, damit wir zur Kirche oder zum Standesamt kommen. Dort angekommen, synchronisieren wir (oft noch im Auto) die Kameras und stellen diese dann vor Ort ein. Zwischendurch fragt man noch die Pfarrer, ob man einen Blitz benutzen darf oder ob man beim Akt der Trauung atmen darf. Wenn die Trauung vorbei ist, diskutiert man noch mit dem Onkel von weit weg, ob er doch bitte vor der Kamera weg gehen würde. Danach setzt man sich wieder ins Auto und fährt zur Feierlocation, um dann zu warten, bis die Gäste mit dem Kaffeetrinken fertig sind. Das Gleiche beim Abendessen. Um die Effizienz und Effektivität zu steigern, sortieren wir in der Zeit schonmal grob schlechte Fotos aus. Zunge draußen, Augen zu, gähnt - alles dabei. Nach einem Tag, der gerne mal bis 0 Uhr oder länger geht, fährt man schließlich heim, räumt alles auf und beginnt am nächsten Tag mit der Bearbeitung. Spätestens hier liegt der Kern der Rechnung eines Fotografen. Fotografieren heißt nicht nur "Knipsen", sondern auch Bearbeiten. Wir sichern alle Fotos, damit nichts verloren geht (wie gut, dass man zwei Speicherkarten in eine Profikamera stecken kann). Alle 2000 Fotos möchten einzeln angeschaut werden. Schlechte fliegen raus, der Rest bleibt. Die restlichen Fotos werden nach Lichtsituation sortiert und anschließend gruppiert oder einzeln bearbeitet - ein langer, nervenaufreibender und zeitintensiver Schritt, welcher auch locker mehrere Tage in Anspruch nehmen kann. Umso mehr freut man sich, wenn schon 24 Stunden nach der Feier die ersten Anfragen kommen, wann die Bilder endlich fertig seien... Nun ja, sind die Fotos alle bearbeitet, schauen wir uns nochmal alle Fotos an und prüfen, ob wir irgendetwas übersehen haben. Alles gut, wunderbar. Wir sortieren die Fotos und vergeben eine ID, damit jedes Foto einfach und ohne seltsamen Zahlen identifiziert werden kann. Nun werden die Fotos in ein Online-Album geladen, für welches noch Zugangsdaten erstellen werden müssen. Auch die Emails für die Übermittlung der Zugangsdaten schreiben sich nicht von selbst. Nach einem längeren Zeitraum sind die Bilder nun online und können von der Kundschaft angeschaut, heruntergeladen und geliked werden. Auch nachträgliche Bestellungen von Fotoabzügen, Fotobüchern, Leinwänden oder superschicken bedruckten Tassen sind immer wieder gerne gesehen. Auf unsere Nachfrage, ob alles gut ist, wird teilweise nicht reagiert oder man äußert noch weitere Wünsche, welchen wir natürlich gerne nachkommen. Als Dienstleister und Handwerker sind wir natürlich an zufriedenen Kunden interessiert und freuen uns über jedes "Danke" oder Lächeln. Das ist unsere Intention - Kunden, die sich über unsere Arbeit freuen!
Nicht sichtbar für unsere Kunden
3 Stunden Vorbereitung (Anfrage beantworten, Angebot schreiben, Vertrag aufsetzen, Kundengespräch, Absprachen, Technik reinigen, Akkus laden, Kalenderverwaltung, etc.)
0,5 Stunde Anfahrt (Spritkosten)
0,5 Stunde Aufbau (Kameras einstellen, formatieren, Zeitstempel synchronisieren, Absprachen mit Standesbeamten oder Pfarrern, etc.)
0,5 Stunde Fahrt zur Feierlocation oder Begleitung des Brautpaares (bis zu 2 Stunden) (Spritkosten)
1 Stunde warten (Kuchen und Kaffee für Feiergesellschaft), währenddessen Vorauswahl der Fotos
1 Stunde warten (Abendessen für Feiergesellschaft), währenddessen Vorauswahl der Fotos
0,5 Stunde Heimfahrt (Spritkosten)
0,5 Stunde Aufräumaktion
1 Stunde Bilder auf Computer kopieren (circa 2000 Fotos)
2 Stunden Materialsichtung mit Aussortierung misslungener Fotos
20 Stunden reine Bildbearbeitung (Korrektur: Helligkeit, Kontrast, Kolorierung, WB, etc.) je Lichtsituation
2 Stunden Finalsichtung mit Nummerierung der Fotos
1 Stunde Zugangsdaten mit Anschreiben generieren und formulieren
0,5 Stunde Emailverkehr
1 Stunde Online-Album einrichten und Fotos hochladen
final über 30 Stunden für Vor- und Nachbereitung
Am Ende haben wir im Beispiel der fiktiven Hochzeit mit einer Begleitdauer von neun Stunden ein Arbeitspensum von knapp 40 Stunden - und da ist noch nicht alles an Zusatzoptionen gebucht. Da relativiert sich der Preis ganz schnell, wenn man bedenkt, dass die oben genannten unsichtbaren Kosten auch noch irgendwie gedeckt werden müssen, oder? Von 1000 € bleiben am Ende nicht 1000 €, sondern nur ein Bruchteil. Wir müssen also deutlich mehr als ein Event fotografisch begleiten ...Versuchen wir Fotografen also wirklich den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen? Nein, unser Anliegen ist es, mit viel Engagement tolle und wunderschöne Momente unvergesslich zu machen. Irgendjemand hat mal gesagt: "Dafür stehe ich mit meinem Namen". Als Fotografen möchten wir die Möglichkeit bieten, dass unsere Kunden nach vielen Jahren beispielsweise ein Fotoalbum aufschlagen und sagen können: "Schau mal, das waren wir vor vielen Jahren..."
Was wir Fotografen uns von unseren Kunden wünschen:
Dass unsere (potenziellen) Kunden nicht nur die sichtbare Arbeit wertschätzen, sondern auch jene, die im Hintergrund passiert. Denkt auch daran, dass wir viele Ausgaben als Unternehmen haben, die ihr nicht seht. Wenn man sich überlegt, wie oft man heiratet oder Abschlussball, Firmung oder Konfi hat... Lohnt es sich nicht, bei solchen Veranstaltungen auch einmal für schöne Fotos zu investieren? Es wäre schade, wenn es erst heißt: "Wir haben doch alle Handys" und man dann feststellt, dass niemand wirklich Fotos gemacht hat oder die Qualität supermies ist. Da hat man doch lieber eine schöne Online-Galerie oder ein tolles Fotobuch, welches man seinen Gästen oder später Kindern, Enkeln und Verwandten zeigen kann, oder?
"Fotografen schreiben Geschichten in Bildern" - gebt uns bitte auch die Chance dazu, ihr werdet es nicht bereuen! Das Leben ist zu kurz, um Momente zu verpassen.
War dir bewusst, wie viel Arbeit im Hintergrund passiert?
0%Ja, es war mir bewusst
0%Nein, das hätte ich nicht gedacht
Übrigens: Handy-4K ist kein Kamera-4K!!! Das ist aber eine andere Diskussion, die wir separat noch einmal beleuchten werden. Schaut gerne im April wieder vorbei. Unsere Blogbeiträge kommen ab sofort monatlich.



Kommentare